Jandl für Kinder? Die Lust am Sprachspiel ist Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen eigen. Gotthart Kuppel hat Gedichte von Ernst Jandl zu Szenen aus dem Leben eines Paares montiert. Ein Mann und eine Frau, beide einsam, lernen sich kennen, schätzen, lieben, richten sich ein, trinken Tee, schmücken die Wohnung. Dann kommt ein gelber Hund hinzu:

zauber die haft ganz
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Jandls Gedichte werden keine Theatertexte im herkömmlichen Sinn. Sie bleiben, was sie sind: Lyrik. Sie beschreiben Zustände, Momente und Erregungen. Und da es Jandl ist, entziehen sie sich dem Zugriff unseres alltäglichen "Sprechens" und "Verstehens", sie scheinen anders in die Bühnenfiguren einzudringen und aus ihnen herauszusprechen. Die Texte entfalten ihre eigene Dynamik, verlassen die vertraute Grammatik, die Worte verdrehen sich, verlieren sich in Silben und Lauten, und finden sich zu neuem Sinn zusammen.

Also Jandl für Kinder! Was auch Tradition hat. Klaus Wagenbach schrieb zum Erfolg der 1968 erschienenen Schallplatte "Laut und Luise": "Wir haben natürlich nach den Gründen für diesen Erfolg geforscht, das Ergebnis aber zuerst geheimge-halten und dann nur dosiert an den Autor weitergegeben, weil es ihm offensichtlich nicht gefiel: die Platte war ein Hit unter Kindern (an der Spitze: "die tassen"). Da aber in der Folge die Kinder andere Kinder anstifteten, ihre Eltern zum Kauf der Platte anzustiften, verbreitete sich die Platte auch unter Erwachsenen, so daß wir langsam mit den Dosierungen gegenüber dem Autor aufhörten und die Sprachregelung einführen konnten: "Die Platte hat Erfolg bei Kindern und Erwachsenen"."

Gotthart Kuppel, der Regisseur von "schmackel bunz oder der gelbe hund", ist promovierter Arzt. Seit 1970 am Theater tätig. Regiearbeiten in München, Esslingen, Braunschweig, Gelsenkirchen, Münster, Bremen, Wiesbaden, Halle, Konstanz, Neuss, Heidelberg, Qutio (Ecuador). Autor von Theaterstücken wie Schuhmanns Kinderszenen, Schüsse ins Theater, Das Kind und der Maler des Königs. Er erhielt 1991 das Bremische Literaturförderstudium. für Kinder und Erwachsene, ab 10 Jahren

Regie:
Gotthard Kuppel
Ausstattung:
Irene Uredat

Es spielen:
Renate Obermaier,
Heinz Spagl

Hundebetreuung, Ton und Licht:
Uwe Engler
Hundestimme:
Sven Schneider
Bühnenbau und Lichteinrichtung:
Martin Baldenhofer
Toncollage und -einrichtung:
Ingo Burghardt
Malarbeiten:
Nicole Nedoh,
Susanna Schnibbe
Bühnentechnik:
Bernhard Ott

Premiere:
27. Februar 1998

Dauer:
75 Minuten (keine Pause)

für Kinder und Erwachsene,
ab 10 Jahren