„Jeden Abend um neun Uhr, wenn „dear papa“ nach oben und zu Bett gegangen war, legten sie die Näharbeiten beiseite und nahmen ihre Wanderung wieder auf: fünf Schritte vom Sofa zum Fenster, um den Tisch und zurück. Emily, den Arm und Anne gelegt, daneben Charlotte, so gingen sie rastlos auf und ab, während der Sturm nach einem langen, ungehinderten Anlauf über Moor und Heide an den Fenstern rüttelte und die Johannisbeer-Büsche im Vorgarten mit harten Zähnen kämmte; in Yorkshire im Winter 1845.“
Das Haus, in dem die drei Pfarrerstöchter leben, liegt gleich neben dem Friedhof.
Immer wieder läuten die Sterbeglocken. Wenn der Wind aus Norden kommt, durchzieht Leichengestank die Räume. Das Grundwasser schmeckt manchmal nach den Überresten der Toten und macht Schlacken auf den Tee.
Von den ersten Ausflügen als Lernende und Gouvernanten zurückgekehrt, spüren die Schwestern Charlotte, Emily und Anne hier nun die Enge und Begrenztheit ihres Daseins umso deutlicher. Aktivität soll die sie umgebende Tristesse ersetzen, Pläne werden geschmiedet: Eine eigene Schule wollen sie gründen, Schriftstellerinnen sein, die romantische Liebe leben oder die Allgewalt der Moorlandschaft in sich aufsaugen. Aber die Realität verweist sie auf ihre Plätze. Die Hausarbeit ist kein Ersatz, Erfolg und Anerkennung stellen sich nicht ein. Für ihre Wünsche, Träume, Sehnsüchte bleibt ihnen nur der Rückzug in die Phantasie: Sie erfinden Geschichten um weit entfernte und leuchtende Welten, entdecken die Dichtkunst an sich und den anderen. Das lässt die Schwestern auf einen erneuten Aufbruch hoffen.

Regie:
Dieter Kümmel
Bühne:
Marc Totzke
Kostüme:
Margrit Schneider

Musikarrangement

Ingo Burghardt
es spielen:
Daniela Mohr
Renate Obermaier
Kirsten Trustaedt
Christoph Müller
Regieassistenz:
Sonja Karadša
Technische Leitung:
Bernhard Ott
Licht:
Bernhard Ott, Uwe Engler
Ton:
Ingo Burghardt

Rechte:
Verlag derAutoren

Premiere:
4. Oktober 2003

Dauer:
ca. 2 Stunden

Alter:
für Jugendliche und Erwachsene