Nun schließt sich der Kreis: 1989 eröffnete das Freiburger Kinder- und Jugendtheater mit der Inszenierung „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ nach F.K. Waechter seine Spielstätte im Marienbad. Jetzt wurde das Stück (Regie: Dieter Kümmel) zur 15. Spielzeit in leicht veränderter Form wieder aufgenommen und feierte noch einmal rauschende Premiere. Erstmals wurden auch die tragenden Rollen von Gänsehirt und Prinzessin mit den jungen Schauspielschülern Michael Gössler und Nadine Werner als Gästen besetzt.

Und wirklich verwandelt sich das Grimm’sche Märchen hier zum zauberhaft-frechen Roadmovie. „Wäre doch gelacht, wenn nicht auch einmal ein armer Schlucker das Glück beim Zipfel packen könnte“, flucht des Teufels Großmutter (Renate Obermaier), die Faust gegen die unerbittlichen Verhältnisse gereckt. Denn es sind schlimme Zeiten, oben ist oben, unten ist unten und dazwischen pfeift ein eisiger Schneewind über Hunger und Krieg. Also schlägt die Alte dem Teufel ein Schnippchen und schneidet einen arglosen Frechdachs wieder vom Galgen, der auch prompt behauptet, mit einer Glückshaut geboren zu sein. Gut gelaunt tappst der semmelblöde Gänsehirt los – und wirklich kann ihm niemand etwas anhaben: nicht die Palastwache, nicht die Räuber im Wald und nicht einmal der Teufel selbst, obwohl der es wahrlich in sich hat (Christoph Müller)! Zum Happyend gibt’s dann eine Räuberhochzeit und den Königsthron dazu.

Mit rasantem Rollenwechsel, viel Klamauk und Spektakel erzählen die Marienbädler ein bildermächtiges Märchen, das mal tiefgründig, mal urkomisch nie an Spannung verliert. Die seltsam-schönen Songs zwischen Brecht und Bänkelsang (Musik: Guus Ponsioen) weben den Geschichtenteppich doppelt dicht. Was die Inszenierung aber so rund macht, ist Witz und Originalität. Nicht nur ist der Hofstaat eine wahrlich lächerliche Truppe in grotesker Ritter-Rost-Montur aus Ofenklappen, verbeulten Lampenschirmen und Küchenrequisiten, auch die Räuber und ihre bärbeißige Babuschka (Daniela Mohr) machen aus dem Stück stellenweise eine herrlich subversive Kasperle-Geschichte. Und so gibt es für unerschrockene Menschen ab acht Jahren auch mal richtig was zu lachen!

Marion Klötzer
Badische Zeitung
15. 12. 2003