Stück Materialien Bühnenplan Presse
 
 

Votum der Auswahljury für das 
6. Deutsche Kinder- und Jugendtheatertreffen 
in Berlin 2001


Besuch bei Katt und Fredda

von Ingeborg von Zadow

NUR EINE DREIECKSGESCHICHTE?
Besuch bei Katt und Fredda am Freiburger Theater im Marienbad 
 

Da haben sich nach langer Wanderung zwei Menschen häuslich niedergelassen. Alles ist ordentlich gerichtet. Und doch ist da eine Sehnsucht nach Neuem, nach der Begegnung mit anderen Menschen. Und dann erscheint ein Engel Miranda und bringt die Ordnung durcheinander. Bis sich am Ende die beiden Menschen wieder finden... Mit "Besuch bei Katt und Fredda" hat die junge Autorin Ingeborg von Zadow, deren neuestes Stück "Hexenspiel" gerade in Heidelberg uraufgeführt wurde ein scheinbare einfaches Modell einer Dreicksgeschichte geschrieben. Und weil solche relativ häufig vorkommen sollen, lädt jeder Zuschauer - auch Kinder - die Handlung mit eigenen Erfahrungen auf und baut sich seine eigene Geschichte.
Für einen Regisseur sind solche Vorlagen undankbar:. er muß so inszenieren, dass dem Zuschauer genügend Projektionsflächen für seine Erfahrungen bleiben. Am Freiburger Theater im Marienbad gelingt Dieter Kümmel diese Kunststück. Auf einer kleinen Schräge stehen zwei Stühle, dazu liegen noch wenige Requisiten herum: ein Buch, eine Zeitung. zwei Eierbecher, zwei Teller, und zwei Bestecke: eine leere Bühne als kleines Welttheater.  Zunächst sind Katt und Fredda nur Im off zu hören, eine erwachsene und eine quäkende Kinderstimme, dazu die beiden Stühle in seinem seitlichen Scheinwerferkegel. Dann aber kommen die beiden AUF DIE Bühne, Margrit Schneider hat Daniela Mohr als Fredda und Renate Obermaier als Katt in "fremde" lange, glockenförmg auslaufende Theaterkostüme gehüllt, dazu ist Vivaldi zu hören. Später erscheint die Miranda der Kirsten Trustaedt  gar mit goldenen Engelsflügeln, die sie dann auf dem Höhepunkt ihres Intrigenspiels - als es 
ihr zu gelingen scheint, Katt herauszudrängen - ablegt. So schafft Kümmel Irritationen, die mit ihren Brüchen die Künstlichkeit des Spiels betonen, aber damit gerade den realen Bezugspunkt der Vorlage stärker zur Wirkung kommen lassen. Vom Schluss her - "Ein Mensch verschwindet nicht einfach so. Es  bleibt etwas zurück. - Was, Katt? - Eine Geschichte, Fredda" - wird ein Bedeutungsraster mehr angelegt, dass alle Irritationen miteinander verknüpft und sinnfällig macht, wie jede Erfahrung "erwachsener" macht, wie wichtig auch für jede Beziehung die Krise ist … Eine wunderbar leichte Inszenierung ist da entstanden, die selbst Kitsch zu inegrieren vermag, wenn denn da in der Schlußapotheose "Lara's Theme" ertönt …

Manfred Jahnke , Stuttgarter Zeitung