Besuch
bei Katt und Fredda
von
Ingeborg von Zadow
NUR EINE DREIECKSGESCHICHTE?
Besuch bei
Katt und Fredda am Freiburger Theater im Marienbad
Da haben sich
nach langer Wanderung zwei Menschen häuslich niedergelassen. Alles
ist ordentlich gerichtet. Und doch ist da eine Sehnsucht nach Neuem, nach
der Begegnung mit anderen Menschen. Und dann erscheint ein Engel Miranda
und bringt die Ordnung durcheinander. Bis sich am Ende die beiden Menschen
wieder finden... Mit "Besuch bei Katt und Fredda" hat die junge Autorin
Ingeborg von Zadow, deren neuestes Stück "Hexenspiel" gerade in Heidelberg
uraufgeführt wurde ein scheinbare einfaches Modell einer Dreicksgeschichte
geschrieben. Und weil solche relativ häufig vorkommen sollen, lädt
jeder Zuschauer - auch Kinder - die Handlung mit eigenen Erfahrungen auf
und baut sich seine eigene Geschichte.
Für einen
Regisseur sind solche Vorlagen undankbar:. er muß so inszenieren,
dass dem Zuschauer genügend Projektionsflächen für seine
Erfahrungen bleiben. Am Freiburger Theater im Marienbad gelingt Dieter
Kümmel diese Kunststück. Auf einer kleinen Schräge stehen
zwei Stühle, dazu liegen noch wenige Requisiten herum: ein Buch, eine
Zeitung. zwei Eierbecher, zwei Teller, und zwei Bestecke: eine leere Bühne
als kleines Welttheater. Zunächst sind Katt und Fredda nur Im
off zu hören, eine erwachsene und eine quäkende Kinderstimme,
dazu die beiden Stühle in seinem seitlichen Scheinwerferkegel. Dann
aber kommen die beiden AUF DIE Bühne, Margrit Schneider hat Daniela
Mohr als Fredda und Renate Obermaier als Katt in "fremde" lange, glockenförmg
auslaufende Theaterkostüme gehüllt, dazu ist Vivaldi zu hören.
Später erscheint die Miranda der Kirsten Trustaedt gar mit goldenen
Engelsflügeln, die sie dann auf dem Höhepunkt ihres Intrigenspiels
- als es
ihr zu gelingen
scheint, Katt herauszudrängen - ablegt. So schafft Kümmel Irritationen,
die mit ihren Brüchen die Künstlichkeit des Spiels betonen, aber
damit gerade den realen Bezugspunkt der Vorlage stärker zur Wirkung
kommen lassen. Vom Schluss her - "Ein Mensch verschwindet nicht einfach
so. Es bleibt etwas zurück. - Was, Katt? - Eine Geschichte,
Fredda" - wird ein Bedeutungsraster mehr angelegt, dass alle Irritationen
miteinander verknüpft und sinnfällig macht, wie jede Erfahrung
"erwachsener" macht, wie wichtig auch für jede Beziehung die Krise
ist … Eine wunderbar leichte Inszenierung ist da entstanden, die selbst
Kitsch zu inegrieren vermag, wenn denn da in der Schlußapotheose
"Lara's Theme" ertönt …
Manfred Jahnke
, Stuttgarter Zeitung
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