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Die Hennen
Edmond Rostand

 

Die Hennen

Die henne ist das beste beispiel dafür, wo das enge zusammenleben mit menschen hinführt. Sie hat die leichtigkeit und die anmut des vogels gänzlich verloren.Über dem stattlichen pürz ragt das federgebüsch empor wie ein zu großer hut von schlechtem geschmack. Ihre seltenen augenblicke der erregung, wenn sie sich auf ein bein stellt und die runden augen mit dem lidhäutchen zuklebt, sind erschütternd widerlich.Und dazu noch diese parodie des gesangs, abgeschnittne supplikationen über eine unsagbar lächerliche sache: das runde,weiße, beschmierte ei.
Sie erinnert an manche dichter, die henne.

(Herbert Zbigniew)

Edmond Rostand

Edmond Rostand wird am 1. April 1868 in Marseille geboren. Er entstammt einer wohlhabenden, gebildeten und künstlerisch tätigen Familie. Sein Vater ist Leiter einer Bank, in der auch der junge Edmond nach seinem Jurastudium einige Zeit arbeitet. Doch schon während seiner Studienjahre beginnt er zu schreiben. So entstehen in nur zwei Jahren ein Theaterstück (“Les Petits Manies”), eine Novelle (“Mon La Bruyère”) und einige Gedichte. Den ersten Erfolg hat Edmond mit einer Dissertation über Honoré d´Urfé und Emile Zola, für die er den ersten Preis der Akademie in Marseille bekommt. Er schreibt ein weiteres Theaterstück, das, als er erst 20 Jahre alt ist, in Cluny uraufgeführt wird, jedoch hat “Le Gant Rouge” keinen großen Erfolg. Ein Jahr später erscheint seine erste Gedichtsammlung “Les Musardises”und im selben Jahr heiratet er Rosemonde Etienne Gérard,
eine von der Akadémie hoch gelobte Dichterin. Das Ehepaar bekommt zwei Söhne,Maurice, später Dichter und Dramaturg, und Jean, ein bekannter Akademiker.
1894 bietet Rostand der Comédie Francaise sein erstes Reimstück “Les Romanesques” an. Schon hier zeigt sich sein poetischer und phantastischer Stil. Begeistert vom Theater und motiviert durch den Erfolg schreibt er für Sarah Bernhardt zwei Stücke:“La Princesse lointaine”und “La Samaritaine”,die beide mit ihr in den Hauptrollen aufgeführt werden und Edmond Rostand immer bekannter machen.

Am 28.Dezember 1897 hat im Théâtre de la Porte Saint Martin in Paris sein Stück “Cyrano de Bergerac” Premiere. Dieses Stück wurde in nur acht Monaten geschrieben und hat einen in der Theatergeschichte seltenen Erfolg. Das Publikum ist begeistert, auch wenn die Kritiken offensichtliche Schwächen im Stück aufzeigen.Kaum weniger erfolgreich ist sein nächstes Stück “L´Aiglon”, wieder mit Sarah Bernhardt. Doch zum zweiten Mal schließen sich die Journalisten nicht der guten Meinung des Publikums an,die Artikel sind noch boshafter als die über “Cyrano”. Doch dessen ungeachtet erlangt Edmond Rostand mit diesem Doppelerfolg internationales Renomee und ist in Frankreich ein gefeierter Mann.Nur ein Jahr später wird er Mitglied der Akademie Francaise und ist, erst 33 Jahre alt, das jüngste Mitglied in der Geschichte der Akademie.
Das Glück aber verlässt ihn, er wird schwer lungenkrank und muss aus Paris aufs Land ziehen. Er richtet sich im Baskenland in einer Villa ein, baut diese mehrmals um und gestaltet Hof und Garten nach seinen eigenen Wünschen. Er nennt sein Gut “Armaga” und erklärt es zu seinem Lebenswerk. Dort kommt ihm die Idee,die Vögel des Bauernhofes zu verwenden, um Eigenschaften der Menschen in einem symbolischen Drama darzustellen, einer Satire auf die Gesellschaft: So entsteht “Chantecler.
Die Premiere 1910 war nicht der erwartete Erfolg. Das Publikum ist enttäuscht, die Uraufführung ein totales Fiasko. Auch sein nächstes Stück “Hymne au Soleil”wird kein Erfolg und für Rostand ist dies das Ende des Schreibens von Reimstücken. Während des ersten Weltkriegs entsteht sein Buch ”Le vol de la Marseillaise”, eine Sammlung nationalistischer Lyrik. Kurz nach dem Einzug der Sieger in Paris am 11.November 1918, den er miterlebt, bekommt er die spanische Grippe und stirbt mit 50 Jahren am
2. Dezember. Sein letztes Stück “La dernière nuit de Don Juan”wird erst nach seinem Tod veröffentlicht.

Er war wie ein Hahn,
der glaubt, die Sonne ging auf,
um ihn krähen zu hören.

(George Elliot)