Legenden entstehen nicht ohne Grund, und in der Tat: Diese drei Schwestern waren höchst bemerkenswerte Menschen. In ihrem Pfarrhaus führten sie ein ärmliches, psychisch wie physisch eingeengtes Leben, gesellschaftsunfähig und gesellschaftsüberdrüssig, kränkelnd und ruhelos. Als Kinder setzten sie ihre Träume in eine gigantische Phantasiewelt um: Sie erfanden – nur für sich alleine – zum Zeitvertreib- eine Sage und brachten sie in unzähligen winzigen Kritzelheften zu Papier. Als die Geschwister größer wurden, als sie erwachsen waren und die kindliche Spielwelt ihnen nicht mehr genügte, begannen sie Romane zu schreiben. sie hatten sich, ohne Beziehungen und profunde literarische Bildung, einfach vorgenommen, professionelle Romanautorinnen zu werden und vom Erlös ihrer Bücher zu leben. Das erreichten sie auch fast auf Anhieb, - und dies ist die Wurzel der Legende: Daß es diesen drei Frauen gelang, in ihrem hinterwäldlerischen Haworth völlig naiv eine fiktive Welt zu erschaffen, die kaum Vorbilder hat und den Leser bis heute in ihren Bann zieht.
Moorlandschaft: Friedlich, wild einzelne
einsame Bäume. (Tannen). Knorrige blattlose Bäume, ihre
Äste zum Himmel wendend. Zerbrechlich - stabil. Und Huppel,
viele, viele Huppel. Köpfe. Familien. Eigentümlich verschworen.
Gräser, die im Lauf des Jahres grün, dann braun, im Winter
blaß-gelb werden.
Filzpflanzenboden. (Kein Vorschlag für den Bühnenboden...).
Vögel. Ruhe. Geräusch von fließendem Wasser. Morast.
Weiter Himmel. die Wolken: das wirklich bewegte in dieser Gegend.
Renate möchte mit diesen Wolken ziehen. Weg. Oder durch die
Landschaft streben. Mit weiten Schritten. Und auf einem der wenigen
Hügel ausruhen, sich hinlegen. Sie sehnt sich nach der Stadt.
Daniela verweilt alle hundert Meter bei jedem Fleckchen: da ein
Zweiglein, dort ein Gräslein und jetzt ein Bildlein. Kirsten
mag Danielas Art der mikroskopischen Zärtlichkeit für
jedes sprießende blühende Natur etwas. (Renate, weit
voraus, übt sich in Geduld).
Kirsten plagt eine andere Leidenschaft: verbotene Gefilde zu betreten.
Freiheit ist ihr letztes Wort, denn ihr gehört der ganze Ort!(Renate
klettert zaghaft hinterher, jetzt wartet Daniela, bis Beide zurückgekehrt
sind...).
>Wir woben ein Netz in der Kinderzeit
Ein Netz aus sonnigem Schein
Eine Kindheitsquelle gruben wir
ein Wasser klar und rein
Jung pflanzten wir ein Senfkorn ein
Brachen das Mandelreis noch grün
Wir sind nun erwachsen geworden, doch sie
Verdorrten sie mitten im Blühn?
Sind sie erstickt und zu Tode ermattet
Wurde zu Asche was Feuer schien?
Denn das Leben ist dunkel umschattet
Und seine Freude ziehn schnell dahin.
Emily Brontë
The great object of life is sensation,
to feel, that we exist, even though in pain
( Lord Byron)

aus dem Vorwort
zur rororo Bild-monographie „Die Schwester Bronte „