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In der Zeit eines
neuen Hygienegefühls und eines neuen Bewußtseines der
Gesundheitspflege (Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad) wurde vermehrt der Bau von VolksBädern gefordert. Vor allem aus
volkswirtschaftlichen Gründen versprach man sich von Volksbrausebädern großen Nutzen, da durch erweiterte Hautpflege die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung besser gewahrt bliebe.
Ein erstes Projekt
für ein Volksbrausebad wurde vom Stadtbaumeister Thoma
1888/89 vorgelegt. Das kleine eingeschössige, etwa quadratische
Gebäude sollte in der Frauenabteilung vier und in der Männerabteilung zwölf Duschen aufweisen. Das Projekt wurde jedoch nicht ausgeführt, so daß Karl Hornickel, Vorsitzender des Freiburger Gewerkschaftskartells am 22.10.1899 den Stadtrat aufforderte: "Resolution! Die heute, im oberen Storchensaal tagende, seitens des Gewerkschaftskartells einberufene Versammlung hat, anschließend an die Ausführungen des Herrn Dr. med. Wingler über Das Baden und die Naturheilbewegung
erkannt, daß das Baden eine Notwendigkeit zur Erhaltung
der Volksgesundheit ist, und ist der Ansicht, daß auch endlich
einmal in Freiburg, gleich wie schon in vielen anderen Städten
geschehen ist, einem dahingehenden Bedürfnis nach billiger
Badegelegenheit Rechnung getragen wird, indem die löbl. Stadtverwaltung ein oder mehrere Volksbrausebäder errichten läßt.
Die Anwesenden beauftragten, um obigen Zweck zu erreichen, den
Kartellvorsitzenden, die löbl. Stadtverwaltung zu interpellieren".
Wenige Monate nach dieser Resolution wurde die private Badeanstalt des Glasermeisters Felix Thoma am 15.2.1900 eröffnet. Da nur ein Schwimmbecken vorhanden war, mußte, nach Geschlecht getrennt, abwechselnd gebadet werden. Mit Beginn des 1. Weltkrieges wurde die finanzielle Situation des Bades immer bedrohlicher. Im Februar 1929 mußte Thoma aufgeben, das Marienbad wurde von der Stadt übernommen. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme entsprach die Schwimmhalle nicht mehr den Bedürfnissen des modernen Sportes. Am 27.11.1938 wurde das neue Hallenbad ("Große Halle") feierlich eröffnet.
Der Niedergang des Bades setzte in den 70er Jahren ein. Neuerbaute Hallenbäder zogen immer mehr Besucher ab. Notwendige städtische Investitionen unterblieben. Mit Eröffnung des Faulerbades wurde das Marienbad endgültig geschlossen. Gegen die Schließung und Zweckentfremdung durch das Freiburger Kinder- und Jugendtheater wandte sich der neugebildete "Verein für die Erhaltung des Marienbades in Freiburg". Der Verein, dem Mitglieder des Stadtrates (CDU, Freie Wähler und Grüne) angehörten, hatte sich als Ziel gesetzt, durch einen neuen Gemeinderatsbeschluß
die Zweckentfremdung zu verhindern. Die stark emotional beladene
politische Diskussion führte schließlich in der Gemeinderatssitzung
vom 10.4.1984 zur Ablehnung der Verwaltungsvorlage, in der kleinen
Halle ein Theater einzurichten (Mehrheit 1 Stimme!). Stattdessen wurde ein Antrag der CDU auf Wiedereröffnung des Bades angenommen.
Die Schließung der kleinen Halle stand ein Jahr später
wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Am 21.5.85 stimmte
nun eine Mehrheit gegen die Wiederaufnahme des Badebetriebes. Vor
der anschließenden Abstimmung über die Einrichtung
einer festen Spielstätte für das Freiburger Kinder-
und Jugendtheater verließ die CDU-Fraktion geschlossen,
sowie einzelne Stadträte der FDP und der Freien Wähler
den Ratssaal. Der noch beschlußfähige Gemeinderat stimmte
mit Mehrheit für die Spielstätte, die nunmehr - viereinhalb
Jahre später am 8. Dezember 1989 eröffnet wurde.
Bernd Vedral, Freiburger Kunsthistoriker, verfaßte diesen Abriß
anläßlich unseres Symposiums "Theater und Architektur".
Seine hier in Auszügen wiedergegebene Recherche war damals
Teil einer Ausstellung zur Geschichte des Marienbades, die im
Rahmen des Symposiums stattfand.
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