Fremdheit löst sich auf!
von Kirsten Trustaedt
Wandel durch
Annäherung unterm mosaikbestückten Brückenbogen am Zâyande-Rud.
Gleißendes Licht.
Schöner, unendlich weiter Orient!
Eine Sehnsucht von uralter Größe und Schönheit breitet
sich aus.
Räume, die sich auftun … in der Seele … Im Gehirn …
im Weiterträumen! An uralte Wurzeln rührend! Eine Oase inmitten
der Wüste!
Parzival! Hier!
Staunend betrete ich den Spielort! Draußen! auf einem iranischen
Schulhofplatz! Alles steht: Zeltwände flattern im Wind! Wir, eine
Circustruppe in Isfahan!
Parzival: ein Stück Weltphilosophie! Nicht ideologisch besetzt, sonst
wäre der Mythos zerstört! So findet jeder Zuschauer seinen Platz!
Ein Theaterabend der kulturübergreifend ist und wirkt!
Wir erleben eine große Umarmung mit dem iranischen Publikum! Für
uns als Akteure lebt jeder Satz, jedes Wort, das wir auf der Bühne
denken, sprechen oder hören, neu auf! Durch den „unwiederbringlichen
Augenblick“ der Konfrontation mit einem Zuschauerkreis einer anderen
Kultur, entsteht ein überraschend neuer Draufblick auf unsere Arbeit!
Im Geist entsteht Erweiterung! Horizonte tun sich auf! Sowohl für
uns, als auch für das Publikum. Fremdheit löst sich auf!
Auf einem Berg, hoch oben, sah ich
hunderte von Frauen vermummt in schwarzen Tschadors kauern. wie Krähen
kreischten sie von ihrem Dach der Welt, dass ich Lust bekam, mich in der
Farbe gelb vor ihnen aufzustellen, um das Schwarz ein bisschen aufzuhellen.
Unterwegs. Mit dem Bus nach Teheran.
Ein Stopp:
Alle rennen ins Feld!
Ins Feld der Wüste rennen!
Wüstengras und Stein bespringen!
Weite Leere – unendlich weit!
Der Dämmerung kühle Bergluft atmen!
Dass mir die Füße zu Flügeln werden!
Jetzt! Auf immer und ewig!
„Was vor meinem Gesicht liegt, ist geradeaus!“
Schon auf dem Boden bleiben!
Aber leichten Schrittes!
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