Die IRAN - Gastspielreise des Theaters im Marienbad11. – 25 Oktober 2003 |
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Badische Zeitung vom Freitag, 24. Oktober 2003 DURCH DEN IRANDie Bedeutung der WorteDas Freiburger Theater im Marienbad befindet sich nach einem Aufenthalt in Isfahan nun in Teheran. Unsere Mitarbeiterin Dorothea Marcus begleitet die Gastspielreise und berichtet regelmäßig für die Badische Zeitung. (Teil 4) Von Isfahan müssen wir uns nun verabschieden, dieser Oase, die wirklich etwas von Freiburg hat: relativ gute Luft, Bächle an den Straßenseiten, ein niedriger Fluss durch die Stadt. Teheran dagegen ist ein Moloch von zwölf Millionen Einwohnern, mit aberwitzigem Verkehr und Smogglocke. Wir erreichen die Hauptstadt durch die Wüste, nach acht Stunden Fahrt. Im Ferdausi Grand Hotel empfängt uns ein Plakat, auf dem in Farsi die "deutsch-iranische Theaterwoche" angekündigt ist. Unter den Fittichen des Goethe-Instituts erwartet uns ein verzweigter Terminkalender: Pressekonferenzen, Vorträge, Empfänge. Das Stadttheater ist ein mosaikbesetzter Rundbau, bewacht von Polizisten. Bevor das Theater im Marienbad spielt, dürfen wir selbst iranisches Theater sehen: das dreistündige Epos eines der wichtigsten iranischen Gegenwartsdramatiker, Bahran Bezai. In folkloristischen Kostümen wird ein historisch-komödiantischer Gang durch die Zeit von 1001 Nacht, Islam und Gegenwart zelebriert - und oft auf die Freiheit des Worts angespielt. Ein Schmierenkomödiant mit rollenden Augen wird von wechselnden, reizenden Schauspielerinnen angespielt. Ein großer Erfolg in Teheran - aber für uns gewöhnungsbedürftig. Überhaupt wissen wir kaum noch, was im Iran kulturell anregt oder was brüskiert. In der ersten Vorstellung von der "Geschichte vom Onkelchen" sitzen nur Erwachsene, in der zweiten im Iran fast heiratsfähige Jugendliche von 12 bis 13 - dabei ist es eigentlich für Sechsjährige gedacht. Die Geschichte des einsamen Mannes, der sich mit einem Hund befreundet, ist für Iraner befremdlich: Der Hund gilt im Islam als ekelhaftes, unreines Tier, Haustiere gibt es nicht. Und dann schnäuzt sich das Onkelchen auch noch auf der Bühne - und beleidigt damit den Propheten (genau so wie unsere zusehends erkältete Reisegruppe). Die Kinder sind trotzdem hellauf begeistert - vielleicht sollte man es ihnen gerade zeigen, um solche Offenheit herauszufordern. Wie schief die Verständigung aber auch immer wieder geht, zeigt die hiesige Pressekonferenz: "Es geht also um die Geschichte eines Helden?", fragt ein Journalist, und Tankred Dorst holt aus zu einer langen Erklärung, warum er keine Helden mag. Aber dass Deutsche ein gebrochenes Verhältnis zu Helden haben, versteht hier kein Mensch. Im Iran sind die 14-Jährigen, die im Irak-Krieg gefallenen sind, Märtyrer - aber die einfachste Verständigung über solche Begriffe fehlt. (Dabei gibt es so viele: "Was bedeutet "Gral" oder "Ritter" im Iran, was in Deutschland?) Hilflos sitzt das wieder zu große Podium vor den Journalisten und schwafelt. Kulturaustausch ist ein täglicher Lernprozess, doch vielleicht ist die Zeit zu kurz. Fortsetzung folgt. |
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