Die IRAN - Gastspielreise des Theaters im Marienbad

11. – 25 Oktober 2003


   
Badische Zeitung vom Mittwoch, 22. Oktober 2003

DURCH DEN IRAN

Jetzt müsste es losgehen!

Das Freiburger Theater im Marienbad befindet sich zur Zeit auf Gastspielreise im Iran, erste Station: Freiburgs Partnerstadt Isfahan. Unsere Mitarbeiterin Dorothea Marcus begleitet die Tour und berichtet regelmäßig von dort für die Badische Zeitung. (Teil 3)

Erst jetzt fällt uns auf, dass keiner der Journalisten von der Pressekonferenz ein Wort geschrieben hat. In ganz Isfahan ist auch kein einziges Plakat gehängt - ist das eine Blockade der neuen Stadtverwaltung? Trotzdem ist die zweite Vorstellung so überfüllt, dass die Besucher sich auf Stühle stellen und auf der Treppe scharen, einige Menschen mit Blumen in der Hand warten vergeblich auf Einlass.

Im Anschluss gibt es eine jener Podiumsdiskussionen, in denen eine Horde kluger Autoren, Dramaturgen und Journalisten auf der Bühne sitzt und über den Kopf der Menschen hinweg abstrakte Theaterthemen abhandelt - während einzelne Iraner wie bei einem Tribunal vor das Mikrofon in der Mitte des Saals treten, um Fragen zu stellen - natürlich fast nur Männer. Sie fühlen sich durch Parzival an ihren Volkshelden Rostam erinnert, doch niemand auf dem Podium weiß, darauf einzugehen. "Danke, dass ihr hier seid, aber ich lehne den Nihilismus in dem Stück ab", sagt einer, der sich als Dozent der Theaterakademie zu erkennen gibt. Endlich eine Meinung, die über Lobeshymnen hinausgeht. Er hat nicht ganz Unrecht - schließlich endet der Marienbad-Parzival mit dem Weltuntergang.

Mit vereinten Kräften versucht das Podium, zu beweisen, dass es in Wirklichkeit die Welt bessern will. Dabei könnte man doch so viel direkter ins Gespräch kommen, so begeistert und neugierig sind die Iraner, so einfach wären die Bilder von Liebe, Machismo und Krieg aus dem Stück zu erklären. "Es müsste regeren Austausch mit Freiburg geben", sagen die jungen Studenten, die die Schauspieler auch danach noch in Trauben umlagern. "Es ist wunderbar, dass ihr als erstes deutsches Ensemble nach Isfahan gekommen seid, und unglaublich, dass ihr das trotz der neuen Verwaltung geschafft habt - aber jetzt müsste es erst richtig losgehen", sagt uns Akbar Mikhak. Er ist einer der drei Künstler, die eigentlich bald nach Freiburg kommen sollten - aber das Projekt scheint seit dem Isfahaner Bürgermeisterwechsel auf Eis gelegt.

Die Zensurbehörde lädt uns für den nächsten Tag zum Essen ein, von der Stadt ist niemand zu sehen. "Das ist normal, wir sind für die Kultur zuständig", sagt man uns. Das Restaurant liegt weit vor der Stadt in einer begrünten Flusslandschaft. Eine Oase, kühl und lauschig. Wir sitzen unter schattigen Zeltdächern auf persischen Teppichen und bekommen wunderbares Essen. Oder werden wir einfach elegant am Stadtempfang vorbeigeleitet?

Fortsetzung folgt.


 

Presseecho

Berichte und Eindrücke

Reisetagebuch

Fotostrecke(n)
Matinee
 

 

 
 
 
 
 

impressum | disclaimer | home