Die Aufführungen der zwei Produktionen, mit denen das Theater im Marienbad am diesjährigen Internationalen Fadjr-Theaterfestival teilnahm, sowohl "Perô oder die Geheimnisse der Nacht" als auch "Die Nächte der Schwestern Brontë", stießen auf ein reges Interesse der iranischen Zuschauer und entsprechend umfangreich war die Berichterstattung der iranischen Nachrichtenagenturen und Printmedien. Neben den laufenden Ankündigungen und der ausführlichen Vorstellung der Aufführungen und des dazugehörigen Beiprogramms - teils mit Bildmaterial - finden sich in dem täglich erschienenen Festivalbulletin als auch in den Tageszeitungen zahlreiche Artikel, die sich mit der Zuschauerresonanz und der Bewertung der Aufführungen vor allem aus künstlerischer Sicht befassen und durchweg zu einem positiven Urteil kommen.
So berichtet die Festivaldirektion am 24.1. auf der Internetseite des Dramatic Arts Center in Teheran, dass allein für die zweite Vorstellung von "Perô" 467 Zuschauer gezählt wurden, was zumindest für die ersten vier Tage den absoluten Höchstwert darstellte. Die studentische Nachrichtenagentur ISNA schreibt am gleichen Tag, dass "Perô" auf ein außergewöhnliches Interesse des iranischen Publikums gestoßen sei und Karten für die Vorstellung bereits nach einer Stunde ausverkauft gewesen seien. Doch auch "Die Nächte der Schwestern Brontë" war nicht minder erfolgreich in der Zuschauergunst.
Die Nachrichtenagentur MehrNews zum Beispiel berichtet am 29.1. von über 230 Zuschauern pro Aufführung in einem Raum, das ursprünglich nur für 120 Personen gedacht gewesen sei, während zahlreiche Interessenten gar nicht erst in den Saal hineingelassen worden seien; auch ISNA schreibt am gleichen Tag vom großen Zuschauerandrang für die "Brontë"-Aufführungen. Und die Zeitung Iran fasst am 30.1. im Rahmen einer Art Resümee des Festivals zusammen: ""Die Nächte der Schwestern Brontë" aus Deutschland konnte wie die andere Inszenierung [des Theaters im Marienbad] das Interesse zahlreicher Besucher auf sich ziehen und wahrscheinlich kann man sagen, dass diese Aufführungen zu den meistgesehenen des diesjährigen Festivals gehörten."
Nicht minder bemerkenswert als diese quantitativen Superlative erscheint die überschwängliche Kritik der Aufführungen in inhaltlich-künstlerischer Hinsicht. Das Dramatic Arts Center beschreibt am 25.1. "Perô" als eine "erfolgreiche Inszenierung", welche die einzelnen Erzähl-, Schauspiel-, Bühnen- und Musikkomponenten in meis-terhaft harmonischer Weise miteinander kombiniere. Der Regisseur Dieter Kümmel setze derart gekonnt Töne und Farben zur Widerspiegelung der Gefühlsstimmungen auf der Bühne und deren Resonanz unter den Zuschauern ein, dass man ihn in den Rang eines feinsinnigen Psychologen erheben müsse. Auch MehrNews widmet am 25.1 der Aufführung von "Perô" einen ausführlichen Artikel und kommt zu dem Schluss: "Insgesamt hat der Zuschauer viel Freude an dem, was er auf der Bühne sieht und hört, und während er zu einem angemessenen Verständnis von Liebe gelangt, indem er der reinen Begierde absagt, verlässt er den Theatersaal mit der schönen Erinnerung an ein sehenswertes Stück." Und eine weitere Nachrichtenagentur bemerkt in einem Kommentar zu der gleichen Aufführung: "Die Inszenierung fand in einer gelösten Atmosphäre statt und wurde begleitet vom wiederholten heiteren Lachen der Zuschauer, die zum Schluss ihre Zufriedenheit mit der Vorstellung und Anerkennung für die Theatergruppe mit minutelangem Applaus kundtaten" (Shabestannews am 27.1.).
Besondere Anerkennung findet hier auch die "noble" Bereitschaft der Schauspieler, sich im Anschluss an die Aufführung den Fragen der Zuschauer zu stellen. Interessant ist auch der religiöse Blickwinkel des Iranian Quran News Agency auf "Perô", die am 25.1. ein Artikel zu dem Stück veröffentlicht und im Überschrift Dieter Kümmel mit dem Satz zitiert: "Der Glaube ist kein Hindernis für Spaß und Freude." Darin wird der "fähige deutsche Regisseur" für seine Leistung gewürdigt, die Liebe – "dieses göttliche Geschenk" – auf schönster Weise auf der Bühne gezeigt zu haben, und weiterhin mit dem Satz zitiert: "2006 wird in Deutschland ein großes Theaterfestival veranstaltet zum Thema "Glauben und Religion" und dort wird man sehen können, in welch schönen und unterschiedlichen Formen religiöse Themen auf der Bühne dargestellt werden können."
So nimmt es insgesamt wenig Wunder, wenn sich in den Printmedien Bemerkungen häufen wie: "Der deutsche Dieter Kümmel und [seine] Theatergruppe verfügen bereits über eine beachtliche Anhängerschaft in Iran" (Shargh Newspaper am 27.1.); oder: "Dieter Kümmel und das Theater im Marienbad, die es mit der erfolgreichen Aufführung des Stücks "Parzival" im Herbst 2003 und mit weiteren Inszenierungen in den letzten zwei Jahren geschafft haben, sich ein herausragendes Ansehen unter den iranischen Zuschauern zu verschaffen, nahmen am diesjährigen Festival mit zwei Inszenierungen teil […], die beide mit herzlichem Applaus des iranischen Publikums aufgenommen wurden" (MehrNews am 29.1.).
Die populäre Zeitung Hamshahri widmet am 3.2. der Vorstellung des Theaters im Marienbad und insbesondere der Inszenierung von "Perô" einen ausführlichen Artikel und übertitelt diesen in Anlehnung an einen Kernsatz aus dem Stück mit: "Die Nacht ist nicht schwarz". Der Schlusssatz des Artikels lautet: "Das 23. Internationale Fadjr-Theaterfestival ist am Samstag, dem 29.1. zu Ende gegangen, aber ich hoffe, dass wir auch im nächsten Jahr mit einem weiteren Stück dieser Gruppe in die Welt der Phantasie reisen können. Sie nicht auch?"