Israelisches Theater ist nicht immer gut, aber es ist niemals langweilig…
ein Vortrag von Prof. Shimon Levy, Theaterwissenschaftler, Israel
Datum: 17. Juni, 14.30 Uhr
Ort: Theater im Marienbad


Im Vergleich zu vielen westeuropäischen Theatertraditionen ist hebräisches Theater jung. Weniger als hundert Jahre trennen die Moskauer Premiere der ersten professionellen Inszenierung in Hebräisch, Ha’dybbuk, von den mehr als 50 aktuellen Theaterveranstaltungen, die jeden Abend in Tel Aviv, Israels Theater-Hauptstadt, gesehen werden können. Das Phänomen der beinahe völligen Abwesenheit von Theatertraditionen im Judentum bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts und dem nachfolgenden quantitativen und qualitativen Anstieg der Vorstellungen demonstriert eine erstaunliche Vitalität und ebenso eine starke Verbindung von israelischer Realität (ein wirklich exzellenter Theaterregisseur) zur universellen Theatralität. Während andere neue Theatertraditionen eine ähnliche Beeinflussung durch westliche Theatertraditionen beanspruchen können, muss die rasche Entwicklung des israelisch-hebräischen Theaters auch einheimischen Prozessen zugesprochen werden. Der erste ist die Säkularisierung des jüdischen Volkes seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Der zweite sind der Aufstieg des Zionismus und die Einwanderungswellen nach Palästina, besonders nach dem 1. Weltkrieg. Der dritte ist die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in den letzten hundert Jahren.
Die Theaterauslastung in Israel zählt zu den höchsten der Welt. Prof. Levy wird versuchen zu erklären warum.