Vom 16. bis 25. Juni findet das 24. Internationale Theaterfestival Freiburg statt. Die künstlerische Leitung und Organisation erfolgt in Zusammenarbeit zwischen dem Theater im Marienbad und dem Theater Freiburg. In diesem Jahr widmet sich das Festivalprogramm dem Thema „Glauben“.

Nach dem Zusammenbruch gesellschaftlicher Utopien erfährt die Suche nach Sinnstiftung eine neue Renaissance. Auf die Frage nach dem „Sinn des Lebens“ gibt es keine allgemeingültige und für alle Menschen befriedigende Antwort – und gerade deshalb ist sie existentiell für den Menschen, aber auch für den schöpferischen Akt, für die Kunst.

„Ist denn nicht die „Suche nach dem Sinn“ das, was uns am Leben hält, dem Theatermacher seinen Adrenalinstoß gibt, seine schöpferische Kraft? Und was den Zuschauer ins Theater treibt? Ohne diese Neugier gäbe es keine Kunst, keine Religion, kein Theater … und wahrscheinlich auch keine Schönheit." [Luk Perceval]

Als Kunstform ursprünglich selbst in religiösen Ritualen wurzelnd, treibt das Theater seit über zweitausend Jahren die Konfrontation zwischen Glauben und Vernunft, zwischen Schicksal und Selbstbestimmung voran und setzt sich von Beginn an mit den Erscheinungsformen von Religion und Glauben auseinander und mit der Frage nach dem Sinn des Lebens.

Theatergruppen aus dem muslimischen, jüdischen und christlichen Kulturkreis werden ihre Stücke zum Thema „Glauben“ in Freiburg präsentieren. Darunter sind auch Stücke für Kinder und Jugendliche. Hauptspielorte sind das Theater Freiburg, das E-Werk und das Theater im Marienbad.

Neben Theateraufführungen bietet ein umfangreiches Beiprogramm die Möglichkeit, sich aus verschiedensten Blickwinkeln mit dem Thema „Glauben“ auseinander zu setzen. Theater- und Religionswissenschaftler werden aus ihrer Sicht zu den Themen Theater, Ritual und Religion referieren.
Arbeitskreise werden das Theaterprogramm sowie das Beiprogramm des Festivals anhand von verschiedenen Themen- und Fragestellungen begleiten.


 
Thematische Ausrichtung: „Glauben"

Es hat sich bewährt, Theaterfestivals mit einem Motto zu versehen – sofern es nicht als einschränkendes Auswahlkriterium verstanden wird, vielmehr als inhaltliche Erweiterung und Vertiefung des Festivalprogramms. Auch 2006 soll das Festival in Hinblick auf einen thematischen Schwerpunkt gestaltet werden: "Glauben" ist als Stichwort der Anknüpfungspunkt für unsere konzeptionellen Vorbereitungen und für einen "roten Faden", der die eingeladenen Inszenierungen mit dem Beiprogramm verbinden wird.

Warum Religion? Warum Glauben? Wir erleben momentan, wie sich in der gesellschaftlichen Debatte die "Frage des Religiösen" und neue, zum Teil sehr heftig geführte Auseinandersetzungen mit der Thematik "Religion und Glauben" etablieren - entgegen der Vermutung, dass die Moderne in ein weitgehend säkularisiertes Weltbild münden werde. Die Dimensionen der Themen Religion und Glauben reichen bis heute weit in unseren Alltag hinein, oft in weit größerem Ausmaß als uns bewusst ist. Religiöse Themen bestimmen die Gestaltung und Entwicklung des konkreten Zusammenlebens unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften in Europa ebenso wie den Versuch, die komplex gewordene internationale politische Situation zu beschreiben. So wird die Auseinandersetzung mit islamischer Kultur und Theatertradition sicherlich auch 2006 noch einen Schwerpunkt bilden - gegen politische Vereinfachungen und mediale Festschreibungen.

Auch im privaten Leben haben Religion und Glauben einen zuweilen verdeckten, zuweilen offen zu Tage tretenden Einfluss. Ob bewusst oder unbewusst, beeinflussen sie die individuelle Sinnsuche und bewirken unterschwellig unsere Selbstwahrnehmung. Sie greifen in das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, in die Erziehung und in die Setzung von Wertmassstäben ein.
Indem das Theater sich einerseits mit den gesellschaftlichen Entwicklungen,  andererseits mit den Erscheinungsformen von Religion und Glauben auseinandersetzt, findet es sich zugleich auf seinem ureigensten Feld wieder. Als Kunstform ursprünglich selbst in religiösen Ritualen wurzelnd, treibt es seit über zweitausend Jahren die Konfrontationen zwischen Glaube und Vernunft, zwischen Schicksal und Selbstbestimmung voran.
Die Frage Gretchens in Marthens Garten an den verjüngten Faust "Nun sag', wie hast du's mit der Religion?" lässt sich bis heute nicht einfach beantworten. Umso spannender für Theatermacher und Publikum erhofft sich die Festivalleitung die Gestaltung eines Theaterfestival mit dieser Thematik.
 
Beiprogramm und Kooperationen:

Das Beiprogramm bietet mit Lesungen, Vorträgen und Diskussionen die Möglichkeit, das Thema in Bezug zu den eingeladenen Inszenierungen zu vertiefen. Für die Moderationen von Podiumsgesprächen werden auswärtige Journalisten gebeten.
Das Thema "Religion und Glauben" schlägt sich in verschiedenen Bereichen gesellschaftlicher Auseinandersetzung nieder. In den zahlreichen Veranstaltungen des Beiprogramms wird nach den Wechselwirkungen des Religiösen mit der Kunst, und insbesondere dem Theater gefragt.

Teil des umfangreichen Beiprogramms werden Arbeitskreise sein, die sich während der Zeit des Festivals aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem Thema "Theater, Ritual und Religion" auseinandersetzen. Hierbei soll nach der Wechselwirkung zwischen diesen Feldern gefragt werden. Wo sind die Schnittstellen, aber auch wo sind die Gegensätze.
Geleitet werden die Arbeitskreise von wissenschaftlichen Referenten. Die Teilnahme an den Arbeitskreisen steht allen Interessierten offen. Die Größe sollte eine Anzahl von 20 Personen jedoch nicht überschreiten.

Für das Beiprogramm werden Kooperationen mit anderen Künstlern und Kulturinstitutionen in der Stadt gesucht. In Kooperation mit dem Kommunalen Kino werden Filme in Zusammenhang mit spezifischen Aspekten des Festivals gezeigt. Auch mit den Bildungseinrichtungen in der Stadt, der Universität, der Katholischen Akademie, der Evangelische Erwachsenenbildung, dem Planetarium, der Musikhochschule Freiburg, dem Verlag Herder, dem SWR, Jos Fritz Buchhandlung und dem Verlag der Autoren ist das Festivalteam im Gespräch. Es werden gemeinsame, auf das Festival hin ausgerichtete Veranstaltungen stattfinden.
Nicht zuletzt soll auch frühzeitig der Kontakt mit der jüdischen Gemeinde, den christlichen Gemeinden und muslimischen Organisationen in der Stadt gesucht werden.
Kooperationen suchen wir punktuell bezogen auch mit nationalen und internationalen Theaterinstitutionen (ITI, ASSITEJ etc.).
 
Ort Internationaler Begegnung

An der bereits in mehreren Festivals bewährten Einrichtung von Inszenierungsgesprächen mit Künstlerinnen und Künstlern der eingeladenen Theater soll festgehalten werden. Das Festivalzentrum wird im Theater im Marienbad sein. Hier können die spezifischen Arbeitsweisen der Ensembles befragt werden, können sich Zuschauerreaktionen formulieren und der Austausch zwischen Theatermachern und Publikum einen zwanglosem Rahmen finden.
Ein gastronomisches Angebot und ein Festivaltreffpunkt für Künstler, Publikum und Flaneure soll über die gesamte Zeit des Festivals zum Verweilen einladen und der geistigen und leiblichen Erfrischung dienen. Nicht zuletzt geben eine theatralische Eröffnung und ein rauschendes Abschlussfest dem Festival 2006 die spezifische Note.


Einbeziehung der Freien Szene in Freiburg

Die freie Szene Freiburgs erhielt die Möglichkeit sich durch eine öffentliche Ausschreibung inhaltlich und inszenierungsbezogen an das Festival anzubinden. Eine Auftragsarbeit mit dem Titel „Change your views“ ist vergeben worden an Element 3 - Verein zur Förderung der Jugendkultur e.V.
In einem 10-minütigen Videoclip konfrontieren Jugendliche aus verschiedenen Kulturen und Religionen die Zuschauer mit absolut unerwarteten, provokanten Zitaten und Tanzdarbietungen – und bringen sie so zum Nachdenken.


Spielorte

Neben den Spielräumen im Stadttheater (Großes Haus, Kleines Haus, Kammerspiele), dem Theater im Marienbad, dem Kesselhaus und dem E-Werk werden auch die Christuskirche, der Waldsee, der Stühlinger Kirchplatz als Aufführungsorte des Festivals mit einbezogen.
Theaterexpeditionen können unerwartete und unbekannte oder vergessene Orte des religiösen Lebens entdecken.
Im Zuge der bis 2006 erwartungsgemäß erfolgten konzeptionellen Neu- bzw. Umgestaltung des E-Werks wird mit der neuen künstlerischen Leitung des E-Werks bezüglich der dort spielenden Inszenierungen, der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit und der Ausgestaltung einzelner Programmpunkte eine enge konzeptionelle Kooperation angestrebt.
 
Das theaterpädagogische Beiprogramm

Im Vorfeld - Dek@log
Im Vorfeld des Theaterfestivals arbeiten die beiden Theaterpädagoginnen Sonja Karadza vom Theater im Marienbad und Viola Sinn vom Theater Freiburg mit einer Gruppe von 10 Jugendlichen zum Thema "Glauben". Sie setzen sich darin mit den ersten zwei der Zehn Geboten auseinander. "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben" und "Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen". Als Vorlage dienen ihnen die ersten zwei Texte aus den Geschichten und Filmen "Dekalog 1 - 10" von Krysztof Kieslowski und Krizysztof Piesiewicz. Am 21. Juni wird Dek@log auf dem Festival zu sehen sein.

Während des Festivals
1. Eine Gruppe von 10 Jugendlichen wird eine Art Programmheft von Jugendlichen über das Festival verfassen. Jeweils drei Jugendliche befassen sich mit einer der eingeladenen Inszenierungen. Im Vorfeld erkundigen sie sich über das Theater, den Regisseur, die Stückfassung, sehen sich während des Festivals das Stück an und bekommen die Möglichkeit eines Interviews, in dem sie Fragen, die sich während der Recherchearbeit ergeben haben, stellen können. So können Grundsätze, die sich das Theater gestellt hat von den Jugendlichen überprüft werden, anhand dem was sie während der Inszenierung sehen können. Diese Erfahrungen werden aufgeschrieben und in einem Band veröffentlicht, dass wir dann nach dem Festival an alle Teilnehmenden verschicken.

2. Sag, wie hälst Du es mit der Religion? Drei Schulklassen zu drei Kulturen in drei Ländern kommunizieren im Chat
Es ist angedacht einen Chatroom einzurichten, indem sich eine Klasse aus einem muslimisch geprägten Land, eine aus Freiburg und eine Klasse aus Israel an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit im Chatroom "treffen" und über das Thema "Glauben" diskutieren. Im Vorfeld verschicken wir einen Fragenkatalog mit dem die jeweiligen Klassen sich vorbereiten können. Dieser Gedankenaustausch soll öffentlich über eine Leinwand im Theater präsentiert werden. Dieses Projekt ermöglicht uns den Austausch über die Landesgrenzen hinweg. Was denken israelische, was glauben muslimische und an was halten sich deutsche Jugendliche fest? Ein Forum, daß unserem Festivalpublikum einen kleinen Einblick geben kann über die Gedanken Jugendlicher zum Thema "Glauben". Datum: 20. Juni, 18.00 Uhr

3. "Nachgefragt - Auswärtsspiel"  - Talkrunde
„Nachgefragt“  ist ein Seminarprojekt einer 12ten Klasse des Rotteck Gymnasiums Freiburg. In einer Art Gesprächsrunde interviewen zwei SchülerInnen einen Prominenten zu vorgegebenen Themen. Das Setting ist in drei Phasen aufgeteilt. Allgemeine Fragen zu Überbegriffen des Themas, den "Bartalk" eine persönliche Vorstellungs/Fragerunde des Kandidaten und eine Frage/Antwort Phase zu aktuellen Einzelfällen. Der/die InterviewpartnerIn sollten aus dem Theaterbereich kommen und am Festival teilnehmen. Datum: 19. Juni, 19.00 Uhr


Theater Freiburg
Theater im Marienbad
Mai 2006
 
Das Festivalteam:
Künstlerische Leitung: Dieter Kümmel
Kooperationspartner Theater Freiburg: Oliver Held
Verwaltung: Hubertus Fehrenbacher
Produktionsleitung: Dr. Jörg Scharpff
Dramaturgie/Öffentlichkeitsarbeit: Ursula Schelhaas
Produktionsassistenz: Lisa Besser
Beiprogramm: Dr. Renate Obermaier, Christine Post, Margrit Schneider
Theaterpädagogik: Sonja Karadza, Viola Sinn
Technische Leitung: Martin Baldenhofer

  
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

24. Internationales Theaterfestival Freiburg
c/o Theater im Marienbad

Freiburger Kinder- und Jugendtheater e.V.

Marienstraße 4

D-79098 Freiburg im Breisgau

Tel 0049-0761-137 97 27

Fax 0049-0761-137 97 28

e-mail: festival2006@marienbad.org

Das Festival wird gefördert durch: