Die Vielfalt des Glaubens im Islam
Fr 23.06., 19.30 mit einer Einführung von Neriman Bayram und  Sa 24.06, 23.00

YA ZAMAN-E AHU

OH, BESCHÜTZER DER GAZELLEN
| Iran 1970 | OF | 19 Min. |
Regie & Buch: Parviz Kimiavi | Kamera: Esmail Emami; Schnitt: Rabani Nejad

Imam Reza, der achte schiitische Imam, wird im Volksmund auch "Beschützer der Gazellen“ genannt. Wie die Legende berichtet, suchte einst eine Gazelle, die von einem Jäger verfolgt wurde, Schutz bei Imam Reza. Dieser trat dem Jäger entgegen und rettete ihr das Leben. Täglich pilgern tausende Gläubige zu Imam Rezas Grabstätte in Mashhad, im Nordosten Irans. Im Zentrum des Heiligtums steht der prächtige goldene Schrein, den die Pilger zu berühren versuchen, während sie dem Heiligen ihr Herz ausschütten und ihn um Segen und Heilung für Krankheiten bitten. Kimiavi hält einen Tag im Heiligtum vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fest.
"Der Symbolismus in meinem Filmen wurzelt in der Wirklichkeit. Alles in meinen Filmen, die Menschen und die Gegenstände, ist real, nichts ist gestellt. Ich nehme nur Einfluss auf die Position, die sie im Film einnehmen. Hier ist der Glaube, der die Menschen zum Schrein bringt. Alles, was ich mache, ist, den Raum zwischen den Händen und dem Schrein zu zeigen. Der ganze Film ist das und nichts anderes. Diese Bilder sind real und können doch eine symbolische Bedeutung haben. Ich hätte auch die Stadt zeigen können oder die Flut der Wallfahrer, aber ich habe mich auf diese Bilder beschränkt.“ (Parviz Kimiavi)
Regie & Buch: Parviz Kimiavi | Kamera: Esmail Emami; Schnitt: Rabani Nejad

BAD-E JENN
DER WIND DES DJINN

| Iran 1969 | OF | 21 Min. |

Taghvai gliedert diesen Film über religiöse Kulte in den persisch- und arabischsprachigen Regionen Bandar Abbas und Bandar Lengee im Süden Irans in zwei Abschnitte. Im ersten Teil führt einer der wichtigsten Lyriker der persischen Moderne, Ahmad Shamlu, mit seiner Stimme und seinem Gedicht in die Mystik des Winds der Djinnen, der bösen Geister, ein. Dieser Wind kann die Menschen beherrschen und aus dem Land vertreiben. Shamlus Gedicht begleitet Bilder einer Ruinenstadt und regionalen Landschaft, durch die zuletzt eine Frau schreitet. Die Frau geht zu einem Kult, der einem von dem Djinn Besessenen helfen soll. Im zweiten Teil wird dieser volksislamische Kult geschildert: Frauen und Männer musizieren und helfen dem Besessenen gemeinsam, ihn von dem Djinn zu befreien. Der Rhythmus der Musik ist von den Trommeln der Nachfahren ehemaliger afrikanischer Sklaven, die an dem Kult teilnehmen, beeinflusst.
Zwischen den Bildern der Ruinenstadt sind auf Wände und Türen geschriebene Daten zu sehen, die für die iranische Geschichte der 50er und 60er Jahre einschneidend waren. Es geht um subtile, die Zensurbehörden umgehende Anspielungen Taghvais auf die Gründung des Geheimdienstes Sawak 1956, die Machtübernahme des vom Schah eingesetzten Ministerpräsidenten Amini 1960 und die Studentenunruhen und Verhaftungen von Oppositionellen 1968.
Regie & Buch: Nasser Taghvai | Kamera: Amir Karari, Amir Gosari

MAST QUALANDAR
| Deutschland 2005 | 29 Min. |

Nach dem Glauben der ‚Sufis’, der Anhänger des mystischen Islams, ist jemand Mast, der den Weg der Liebe beschreitet, um seinem Heiligen zu begegnen; jemand im Zustand der Ekstase, auf der Suche nach spiritueller Zuneigung, versunken im inneren Rhythmus von Meditation und Trance. Mast Qalandar war ein Sufi-Heiliger, der sich in Sehwan Sharif im Süden Pakistans niederließ, um seine Lehre von Liebe, Toleranz und Ekstase zu predigen. Bald wurde er zu einer Legende unter den Heiligen des mystischen Islams im Orient. Diejenigen, die Mast Qalandar im höchsten Maße verehren, sind davon beseelt, ihm zu begegnen, selbst um den Preis des Verlustes des eigenen Bewusstseins und der eigenen Existenz.
Zum Fest der Vereinigung Mast Qalandars mit Allah pilgern alljährlich Millionen seiner Anhänger zum Schrein in Sehwan Sharif. Das Filmteam begleitet die Pilger auf ihrer Suche nach individueller und kollektiver Ekstase. Die einmaligen Beobachtungen atmen den Geist alter mystisch-islamischer Lebensweise, fernab fundamentalistischer Strömungen. Der Film beobachtet muslimische Pilger auf der Suche nach Ekstase. Er legt Zeugenschaft ab ohne Kommentar und Wertung.
Regie & Buch: Till Passow