DER MODERNE TOD - VOM ENDE DER HUMANITÄT
von Carl-Henning Wijkmark
Aus dem Schwedischen von Hildegard Bergfeld
In einer Fassung von Crescentia Dünßer
Regie: Crescentia Dünßer
Deutsche Schauspielhaus Hamburg
Deutschland
Datum: 18. Juni, 21.00 Uhr
Ort: Theater Freiburg, Kleines Haus

Fotograf: Kerstin Schomburg
„Der schwedische Schriftsteller Carl-Henning Wijkmark hat Ende der
siebziger Jahre ein kleines
Buch unter dem Titel »Der moderne Tod« veröffentlicht, das damals
keinen Sturm der Entrüstung
ausgelöst hat, sondern nur ein diskretes Hüsteln. Das ist
sonderbar, aber unerklärlich ist es nicht. Denn Wijkmark war der Zeit um ein
paar Jahrzehnte voraus, und was er über die demographischen Probleme der
westlichen Gesellschaften zu sagen hatte, war vermutlich zu unangenehm, als daß
irgend jemand Lust gehabt hätte, ihn ernst zu nehmen. Die literarische Versuchsanordnung
des Autors ist ein Dialog zwischen schwedischen Experten. Es geht dabei vor
allem um die Frage, wie man die unproduktiven Alten und andere überflüssige
Menschen auf möglichst humane Weise umbringen kann. Die Experten sind sich
darüber einig, daß man die Bevölkerung vor allem davon überzeugen muß, wie
schädlich das egoistische Festhalten am eigenen Leben sich auswirkt, und wie
sehr es die ökonomische Zukunft des Landes gefährdet. Der Mord an den Alten
erscheint in dieser Perspektive als eine Form der Betreuung durch die
Sozialbürokratie und als humanitäres Projekt zum Besten einer Gesellschaft, die
es von altertümlichen Moralvorstellungen und Tabus zu befreien gilt.“ (Hans
Magnus Enzensberger)
Crescentia Dünßer hat aus diesem wiederentdeckten Buch eine
Theaterfassung für sechs Schauspieler entwickelt, bei der die Direktheit und
die Unmittelbarkeit des Themas im Zentrum stehen. Die Grenzen zwischen Fiktion
und Realität, zwischen Utopie und Wirklichkeit gehen dabei spielerisch
ineinander über. Auf radikale Weise wird der Spagat zwischen Ethik und Ökonomie
in Zusammenhang mit dem Problem der immer älter werdenden
Gesellschaft verhandelt und präsentiert. Aktuelle Themen wie Sterbehilfe,
Patientenverfügung und Nutzethik kommen ebenso zur Sprache wie Manipulation,
strategisches Denken und menschliche Allmacht.
„Der moderne Tod“ ist ein Theaterabend, der mit Denkmustern und
-mechanismen spielt. Experten
zeigen hier einen Lösungsweg auf, der scheinbar folgerichtig
zuende gedacht ist. Ihre Haltungen sind konsequent, ihre Antworten eindeutig.
Doch gerade durch diese zweifellose Klarheit werden ganz neue Fragen
aufgeworfen.